Warum unser Lymphsystem so wichtig ist
Am 6. März wird weltweit der Welttag des Lymphödems begangen. Dieser Tag soll darauf aufmerksam machen, wie wichtig unser Lymphsystem für Gesundheit, Immunsystem und Gewebegleichgewicht ist.
Viele Menschen kennen den Begriff erst, wenn Probleme auftreten – etwa durch Schwellungen in Armen oder Beinen, die als Lymphödem bezeichnet werden. Dabei arbeitet das Lymphsystem jeden Tag still und zuverlässig im Hintergrund und erfüllt lebenswichtige Aufgaben. Doch was genau ist das Lymphsystem? Wie funktioniert es? Und warum kann es manchmal zu Störungen kommen? Antworten dazu findest du hier im Blogbeitrag.
Das Lymphsystem – das zweite Kreislaufsystem unseres Körpers
Neben dem Blutkreislauf besitzt der menschliche Körper ein weiteres, weniger bekanntes Transportsystem: das Lymphsystem.
Das Lymphsystem besteht aus:
- Lymphgefäßen
- Lymphknoten
- lymphatischen Organen
- Lymphflüssigkeit (Lymphe)
Gemeinsam bilden sie ein weit verzweigtes Netzwerk, das sich durch den gesamten Körper zieht. Man kann es sich wie ein feines Drainagesystem vorstellen, das überschüssige Flüssigkeit aus dem Gewebe abtransportiert und gleichzeitig Teil unseres Immunsystems ist. Täglich werden über das Lymphsystem mehrere Liter Gewebsflüssigkeit bewegt.
Die Lymphe – was durch das Lymphsystem transportiert wird
Die Lymphflüssigkeit entsteht aus der sogenannten Gewebsflüssigkeit. Unser Blut versorgt die Zellen mit: Sauerstoff, Nährstoffen und Hormonen. Ein Teil dieser Flüssigkeit tritt aus den Kapillaren in das umliegende Gewebe aus. Dort versorgt sie die Zellen. Nicht die gesamte Flüssigkeit wird wieder über die Blutgefäße aufgenommen – ein Teil wird über das Lymphsystem zurücktransportiert.
Die Lymphe enthält unter anderem:
- Wasser
- Eiweiße (Proteine)
- Stoffwechselprodukte
- Zellreste
- Krankheitserreger
- Immunzellen (Lymphozyten)
- Fettpartikel aus dem Darm
Das Lymphsystem wirkt daher gleichzeitig als Reinigungssystem, Transportweg und Teil der Immunabwehr.
Die wichtigsten Bestandteile des Lymphsystems
Lymphkapillaren – der Beginn des Systems
Das Lymphsystem beginnt mit winzigen Lymphkapillaren, die sich zwischen den Zellen im Gewebe befinden. Diese Kapillaren sind sehr durchlässig und können Stoffe aufnehmen, die für Blutgefäße zu groß sind – zum Beispiel: Eiweiße, Zellreste, größere Moleküle. Von dort gelangt die Flüssigkeit in größere Lymphgefäße.
Lymphgefäße – die Transportwege
Die Lymphgefäße ähneln in ihrem Aufbau den Venen. Sie besitzen kleine Klappen, die dafür sorgen, dass die Lymphe nur in eine Richtung – zum Herzen hin – fließt. Im Gegensatz zum Blutkreislauf besitzt das Lymphsystem jedoch keine eigene Pumpe wie das Herz.
Der Transport der Lymphe funktioniert daher durch mehrere Mechanismen:
- Muskelbewegung
- Atmung
- Pulsation benachbarter Arterien
- Bewegung des Körpers
- Druckveränderungen im Gewebe
Deshalb ist Bewegung so wichtig für den Lymphfluss.
Lymphknoten – die Filterstationen
Auf dem Weg durch den Körper passiert die Lymphe zahlreiche Lymphknoten. Diese kleinen, bohnenförmigen Organe sind wichtige Filterstationen des Immunsystems. Hier werden Bakterien, Viren, Fremdstoffe, Zellreste erkannt und von Immunzellen bekämpft.
Typische Regionen mit vielen Lymphknoten sind der Hals, die Achselhöhlen, die Leiste und der Bauchraum. Wenn das Immunsystem aktiv arbeitet, können Lymphknoten anschwellen – etwa bei Infektionen.
Lymphatische Organe
Zum lymphatischen System gehören auch mehrere Organe:
- Milz – filtert Blut und baut alte Blutzellen ab
- Thymus – wichtig für die Reifung von T-Lymphozyten
- Mandeln (Tonsillen) – Abwehrstation im Rachen
- Peyer-Plaques im Darm – Immunüberwachung im Verdauungssystem.
Diese Organe sind zentrale Bestandteile unserer körperlichen Abwehr.
Wie ein Lymphödem entsteht
Normalerweise besteht ein Gleichgewicht zwischen Flüssigkeitsbildung und Abtransport im Gewebe. Wenn jedoch mehr Flüssigkeit entsteht als abtransportiert werden kann, sammelt sie sich im Gewebe an. Die Folge sind Schwellungen – sogenannte Ödeme. Beim Lymphödem ist speziell das Lymphsystem selbst gestört.
Ursachen eines Lymphödems
Man unterscheidet zwei Hauptformen.
Primäres Lymphödem
Hier liegt eine angeborene Fehlentwicklung der Lymphgefäße vor. Diese Form kann bereits im Kindesalter oder erst später im Leben auftreten. Mögliche Ursachen:
- zu wenige Lymphgefäße
- zu kleine Gefäße
- funktionsgestörte Gefäßklappen
Sekundäres Lymphödem
Diese Form entsteht durch Schädigung eines ursprünglich gesunden Lymphsystems. Besonders bekannt ist das Armlymphödem nach Brustkrebsoperationen. Häufige Ursachen:
- Operationen (z. B. Entfernung von Lymphknoten)
- Strahlentherapie
- Verletzungen
- Entzündungen
- Tumorerkrankungen
- schwere Infektionen
Symptome eines Lymphödems
Typische Anzeichen:
- Schwellungen (meist an Armen oder Beinen)
- Spannungsgefühl in der Haut
- Druckempfindlichkeit
- eingeschränkte Beweglichkeit
- Hautveränderungen
Unbehandelt kann sich das Gewebe im Laufe der Zeit verhärten und verdicken. Eine frühzeitige Therapie ist daher sehr wichtig.
Therapie – was medizinisch wirklich hilft
Die Behandlung eines Lymphödems erfolgt in der Regel durch die sogenannte Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE). Ziel ist es, den Abfluss der Lymphe zu verbessern und das Gewebe zu entlasten. Sie umfasst mehrere Bausteine: Manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbandagen oder -strümpfe, Bewegungstherapie, Hautpflege.
Unterstützende Maßnahmen im Alltag
Auch im Alltag kann man einiges tun, um den Lymphfluss zu unterstützen:
- regelmäßige Bewegung
- bewusstes, tiefes Atmen
- ausreichend Trinken
- sanfte Massagen
- lockere Kleidung
- Hautpflege
Der Körper liebt Rhythmus und Bewegung – beides hilft dem Lymphsystem bei seiner Arbeit.
Aromatherapie als sanfte Begleitung
Ätherische Öle können keine medizinische Therapie ersetzen. Sie können jedoch begleitend eingesetzt werden – zum Beispiel für sanfte Einreibungen oder Massagen. Bei einem Lymphödem steht in der Aromatherapie nicht das „Entwässern“ im Vordergrund, sondern vor allem die Unterstützung der Mikrozirkulation, des Gewebestoffwechsels und des Lymphflusses. Einige ätherische Öle werden eingesetzt, weil sie zirkulationsfördernde, entzündungshemmende, venentonisierende oder abschwellende Eigenschaften besitzen. Dabei ist ein sorgsamer und fachkundiger Umgang besonders wichtig.
Passende ätherische Öle:
- Zypresse: gehört zu den klassischen Ölen für das Lymph- und Venensystem. Sie enthält hauptsächlich Monoterpene und Sesquiterpene, die eine gefäßtonisierende und zirkulationsfördernde Wirkung haben. Zypresse wirkt leicht adstringierend (zusammenziehend) auf Gefäße und kann dadurch helfen, den Rückfluss von Flüssigkeit im Gewebe zu unterstützen. Hilft also gut bei Lymphstauungen, schweren Beinen, Krampfadern und Ödemen.
- Immortelle: ist eines der wichtigsten Öle für das Bindegewebe und die Mikrozirkulation. Ihre Inhaltsstoffe – insbesondere Diketone und Sesquiterpene – werden mit folgenden Effekten in Verbindung gebracht: entzündungshemmend, geweberegenerierend, durchblutungsfördernd und unterstützend bei Hämatomen und Stauungen. Gerade bei Gewebeverhärtungen oder entzündlichen Prozessen kann dieses Öl eine interessante aromatherapeutische Begleitung sein.
- Selleriesamen: wird in der Aromatherapie oft mit entgiftenden und stoffwechselanregenden Eigenschaften verbunden. Dies ist auch ein sehr wertvolles Öl wenn es um die Leberpflege geht. Seine Hauptbestandteile (z.B. Limonen und Phthalide) werden eingesetzt, um den Gewebestoffwechsel anzuregen, die Ausscheidungsprozesse zu unterstützen und den Flüssigkeitshaushalt im Gewebe zu regulieren. Niedrig dosieren, da sehr intensiv.
- Karottensamen: Karottensamenöl wird häufig bei Hautregeneration und Gewebestärkung eingesetzt. Es kann den Zellstoffwechsel der Haut unterstützen, das Bindegewebe stabilisieren und regenerative Prozesse fördern. In Mischungen für das Lymphsystem wird es meist ergänzend eingesetzt.
- Atlaszeder: ist ein Öl, das bei Stauungen im Gewebe verwendet wird. Es wirkt leicht entstauend, lymphstimulierend und durchblutungsfördernd. Darüber hinaus wird ihm eine unterstützende Wirkung auf Bindegewebe und Hautstruktur zugeschrieben. Eine wertvolle Hilfe also auch bei Zellulitis.
- Wacholderbeere: gehört zu den klassischen reinigenden und entwässernden Ölen. Es wirkt anregend auf den Stoffwechsel, unterstützend für Lymph- und Venensystem, sowie auch fördernd für die Mikrozirkulation. Es wird häufig bei schweren Beinen, Wasseransammlungen oder Zellulitis eingesetzt.
- Mastix: Das ätherische Öl des Mastixstrauchs (gibt auch ein fettes Öl) wird in der französischen Aromatherapie häufig bei Lymphstauungen und Ödemen eingesetzt. Es gilt als stark lymphanregend, zirkulationsfördernd und abschwellend.
Besonders in Kombination mit Zypresse oder Immortelle wird es traditionell für lymphaktivierende Einreibungen verwendet.
Bei einem Lymphödem spielen auch Pflanzenöle (fette Öle) eine wichtige Rolle. Sie dienen nicht nur als Träger für ätherische Öle, sondern können selbst hautpflegende, entzündungshemmende und gewebestärkende Eigenschaften besitzen. Gerade bei Lymphödemen ist die Hautpflege besonders wichtig, da das Gewebe durch die Flüssigkeitsansammlung empfindlicher, trockener und anfälliger für Infektionen werden kann. Gut geeignete Pflanzenöle zeichnen sich daher durch mehrere Eigenschaften aus. Sie pflegen und stärken die Hautbarriere, sie unterstützen das Bindegewebe, wirken entzündungshemmend und lassen sich leicht verteilen, ohne stark zu fetten. Im Folgenden einige Pflanzenöle, die sich besonders gut für lymphanregende Einreibungen eignen.
Passende Pflanzenöle:
- Calophyllumöl: gehört zu den wichtigsten Pflanzenölen bei Stauungen im Gewebe. Es enthält unter anderem Calophyllolide, Flavonoide und verschiedene Fettsäuren. Durch diese Inhaltsstoffe wirkt es entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, geweberegenerierend und auch unterstützend für Gefäße und Bindegewebe. In der Naturkosmetik und Aromatherapie wird das auch Tamanuöl genannte Calopyhllumöl häufig bei Krampfadern, schweren Beinenund Lymphstauungen eingesetzt. Aufgrund seines intensiven Geruchs wird es oft mit anderen Pflanzenölen gemischt.
- Johanniskrautöl: ist ein klassisches Regenerationsöl für empfindliche Haut und gereiztes Gewebe. Es wirkt auch entzündungshemmend, beruhigend, durchblutungsfördernd, sowie unterstützend für Nerven und Gewebe. Es wird traditionell bei Prellungen, Muskelbeschwerden und entzündlichen Hautprozessen eingesetzt. Bei einem Lymphödem kann es helfen, gestresstes Gewebe zu beruhigen. Wichtig: Nach der Anwendung sollte die Haut nicht direkt der Sonne ausgesetzt werden, da Johanniskrautöl photosensitiv wirken kann.
- Weiters passen natürlich noch Basisöle wie z.B. Jojobaöl, Mandelöl, …
Gerade bei einem Lymphödem können Hydrolate eine wertvolle Unterstützung sein, weil sie die Haut beruhigen und pflegen, die Mikrozirkulation sanft unterstützen, abschwellend und entzündungshemmend wirken können und sich hervorragend für Kompressen, Sprays, Schüttellotionenoder Einreibungen eignen. Im Folgenden einige Hydrolate, die sich in der aromatherapeutischen Praxis besonders bewährt haben.
Passende Hydrolate:
- Zypressenhydrolat: Zypresse gilt sowohl als ätherisches Öl als auch als Hydrolat als klassische Pflanze für das Lymph- und Venensystem. Das Hydrolat wirkt bei Lymphstauungen, schweren Beinen, Krampfadern und Ödemen. Es wirkt leicht zusammenziehend (adstringierend) und kann die Gefäßspannung unterstützen. Dadurch eignet es sich gut für Bein- oder Armkompressen.
- Immortellenhydrolat: Das Hydrolat, welches auch den Beinamen „Beulendoktor“ hat, wird verwendet bei Schwellungen, Hämatomen, empfindlicher oder entzündeter Haut und gestresstem Gewebe. Es wirkt beruhigend, regenerierend und leicht abschwellend und ist daher besonders interessant bei lymphatischen Stauungen.
- Hamamelishydrolat: Das Hydrolat besitzt adstringierende Eigenschaften, entzündungshemmende Effekte und eine gefäßstärkende Wirkung. Es wird auch verwendet bei schweren Beinen, Krampfadern, Schwellungen und empfindlicher Haut. Hamamelishydrolat eignet sich besonders gut für kühlende Kompressen.
- Rosmarinhydrolat: Rosmarin häufig verwendet, um die Durchblutung und den Stoffwechsel zu unterstützen. Das Hydrolat wirkt leicht zirkulationsfördernd, anregend für den Gewebestoffwechsel, tonisierend für Haut und Gewebe. Es eignet sich besonders gut für Morgenanwendungen oder aktivierende Einreibungen.
- Wacholderbeerhydrolat: Wacholder ist eine traditionelle Pflanze für Entgiftung und Stoffwechsel. Sein Hydrolat wird verwendet, um die Ausscheidung zu unterstützen, den Gewebestoffwechsel anzuregen, das Gefühl von Schwere und Stauung zu reduzieren. Es eignet sich gut für erfrischende Sprays oder Kompressen für Beine.
Einfache Mischung – „Fließende Leichtigkeit“
- 30 ml Jojobaöl oder Mandelöl
- 4 Tropfen Orange oder Grapefruit
- 2 Tropfen Palmarosa
- 2 Tropfen Atlaszeder
- 2 Tropfen Zypresse
Sanft in Richtung Herz einmassieren – besonders an Beinen oder Armen. Diese Mischung wirkt leicht zirkulationsfördernd, gewebestärkend und hautpflegend.
Mischung für Experten – „Lymphfluss aktiv“
- 30 ml Johanniskrautöloder Calopyhllumöl
- 2 Tropfen Mastix
- 2 Tropfen Immortelle
- 1 Tropfen Sellerie
- 2 Tropfen Zypresse
- 1 Tropfen Karottensamen
- 1 Tropfen Wacholderbeere
Diese Mischung enthält Öle, die zur Unterstützung des Lymphflusses, der Mikrozirkulation und des Gewebestoffwechsels eingesetzt werden. Ideal für eine sehr sanfte Massage oder begleitend zu lymphanregenden Anwendungen.
Wichtige Hinweise zur Anwendung:
- immer in Richtung Herz massieren
- keinen starken Druck ausüben
- bei einer bestehenden Erkrankung vorher ärztlich oder therapeutisch abklären lassen
- vor der Anwendung auf der Haut immer den Hautverträglichkeitstest machen
