Balsam

Balsam - wie er selber hergestellt werden kann und wie einfach er einzusetzen ist

Die Bezeichnung Balsam hast du sicher schon gehört oder? Pflegen, schützen, geschmeidig halten und die Haut bei ihrer natürlichen Regeneration begleiten: Balsame sind echte Allrounder in der Naturkosmetik und Aromapflege. Ob für trockene Winterhände, spröde Lippen, beanspruchte Füße oder als wohltuender Massagebalsam, sie sind erstaunlich vielseitig einsetzbar. Dabei lassen sich Balsame mit wenigen Zutaten selbst herstellen und durch die Auswahl der Pflanzenöle, Wachse und ätherischen Öle an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen.

Doch was genau ist eigentlich ein Balsam? Worin unterscheidet er sich von einer Salbe oder Creme? Und warum kann ein wasserfreier Balsam die Haut vor dem Austrocknen schützen, obwohl er selbst keine Feuchtigkeit enthält?

Was ist ein Balsam? Die genaue Definition

Der Begriff Balsam hat ursprünglich eine andere Bedeutung als heute in der Kosmetik. Er bezeichnete wohlriechende, harzhaltige pflanzliche Ausscheidungen, die beispielsweise aus bestimmten Bäumen oder Sträuchern gewonnen wurden. Bekannte Beispiele sind Perubalsam, Tolubalsam und Kanadabalsam. Solche aromatischen Pflanzenstoffe wurden traditionell für Räucherungen, Duftzubereitungen und verschiedene äußerliche Anwendungen genutzt.

Heute wird der Begriff Balsam wesentlich breiter verwendet. In der modernen Hautpflege versteht man unter einem Balsam meist eine reichhaltige, streichfähige Zubereitung aus fetten Ölen, Pflanzenbuttern und Wachsen, die schützend und pflegend auf die Haut aufgetragen wird.

Anders als bei einer Creme muss ein klassischer wasserfreier Balsam keine Wasserphase enthalten. Seine Grundlage besteht überwiegend oder vollständig aus Fettstoffen. Durch die Kombination flüssiger und fester Bestandteile entsteht eine weiche bis feste Konsistenz, die bei Kontakt mit der warmen Haut geschmeidig wird.

Allerdings ist der Begriff „Balsam“ kosmetisch keine eindeutig festgelegte Rezepturkategorie. Im Handel finden sich auch Produkte mit Wasseranteil, die als Balsam bezeichnet werden. Entscheidend ist daher immer die tatsächliche Zusammensetzung.

Woraus besteht nun ein guter Balsam?

Wachse und Pflanzenbutter – für Schutz und Konsistenz

Damit aus einem flüssigen Öl ein streichfähiger Balsam wird, benötigt die Rezeptur festere Bestandteile.

Sheabutter:

sorgt für eine cremige, geschmeidige Konsistenz. Sie enthält neben verschiedenen Fettsäuren auch kleinere Mengen unverseifbarer Bestandteile und ist besonders in der Pflege trockener Haut beliebt. Einen ganzen Beitrag zur Sheabutter findest du hier >>klick<<.

Kakaobutter:

besitzt eine festere Konsistenz und eignet sich beispielsweise für Lippenbalsame oder feste Pflegeprodukte bzw. Balsame oder einem Lotion-Bar.

Bienenwachs:

gibt dem Balsam Struktur und hinterlässt einen schützenden Film auf der Haut. Dieser kann helfen, den Wasserverlust über die Hautoberfläche zu verringern. Als pflanzliche Alternative zu Bienenwachs kommen unter anderem Candelillawachs und Carnaubawachs infrage. Da sie andere Schmelz- und Härteeigenschaften haben, lassen sie sich allerdings nicht immer im gleichen Mengenverhältnis austauschen.

Kokosfett:

genau betrachtet gehört Kokosfett zu den Pflanzenölen und nicht Wachsen oder Buttern. Aber Kokosfett bzw. Kokosöl ist bei normaler Raumtemperatur häufig halbfest, schmilzt auf der warmen Haut und lässt sich sehr gut verteilen. D.h. wenn es also schnell gehen muss, du auch gerne den Duft von Kokosöl magst, dann kann es auch pur verwendet werden. Über Kokosöl und was du damit alles anstellen kannst, habe ich auch ein Buch geschrieben. Dieses findest du hier >>klick<<.

Fette Pflanzenöle – die pflegende Grundlage

Pflanzenöle bilden häufig den größten Anteil eines Balsams. Sie liefern Lipide, machen die Haut geschmeidig und beeinflussen das Hautgefühl. Besonders interessant sind:

  • Mandelöl: mild und gut verteilbar für trockene und beanspruchte Haut. Wird von den meisten gut vertragen und kann auch bereits für die Babypflege verwendet werden.
  • Jojobaöl: besteht überwiegend aus flüssigen Wachsestern, ist oxidationsstabil – also eine lange Haltbarkeit, einen sehr geringen Eigengeruch und hinterlässt ein geschmeidiges Hautgefühl.
  • Avocadoöl: ist ein reichhaltiges Öl, das besonders trockene und raue Hautstellen pflegt.
  • Calophyllumöl (Tamanuöl): ist ein charakteristisch riechendes Pflanzenöl, das für beanspruchte Haut gut pflegt. Es wirkt entzündungshemmend, wundheilend, durchblutungsfördernd und pflegend. Traditionell wird es bei Hautproblemen wie Akne, Ekzemen, Narben, Krampfadern und sogar der Gürtelrose eingesetzt.
  • Aprikosenkernöl: ist ähnlich sanft wie Mandelöl und ein leichtes Pflegeöl, welches sich gut für Gesicht und Körper eignet.
  • Nachtkerzensamenöl: enthält unter anderem Gamma-Linolensäure und wird gerne in speziellen Zubereitungen eingesetzt. Es ist aber Oxidationsempfindlich und muss dementsprechend gelagert werden.

Die Wahl des Pflanzenöls entscheidet auch mit darüber, wie reichhaltig sich der fertige Balsam anfühlt und für welche Hautbedürfnisse er besonders geeignet ist.

Ätherische Öle als duftende Ergänzung

In der Aromapraxis können ätherische Öle einem Balsam eine zusätzliche duftende Komponente verleihen. Je nach Auswahl entstehen entspannend empfundene Massagebalsame, waldig-frische Pflegeprodukte oder sanfte Duftmischungen für die Abendroutine.

Beliebte ätherische Öle sind beispielsweise:

  • Lavendel fein: blumig-krautig, stark hautpflegend, entspannend beruhigend oder auch anregend, je nachdem was gerade gebraucht wird.
  • Weihrauch: warm, balsamisch und besonders für die Hautpflege aber auch Schmerzen interessant.
  • Cistrose: warm, herb und harzig, wird auch gerne bei beanspruchter sowie auch Narben verwendet.
  • Galbanum: grün, intensiv und harzig. In der Aromapflege besonders bei regenerierenden Hautpflegemischungen beliebt.
  • Benzoe: süß, balsamisch und ein angenehmer Duftbegleiter in reichhaltigen Winterbalsamen.
  • Ho-Holz: weich, holzig und aufgrund seines hohen Linaloolgehalts eine beliebte Zutat. Durch seine Sanftheit auch gut für Kinder geeignet.

Beachte nur, bei der Anwendung von ätherischen Ölen gibt es Sicherheitshinweise die zu beachten sind. Denke auch an eine korrekte Dosierung und die Haltbarkeit. Die Anwendung sollte auch nur auf intakter Haut erfolgen.

Wofür kann ein Balsam verwendet werden?

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und hängen vor allem von der Zusammensetzung ab. Ein einfacher Pflegebalsam unterscheidet sich von einem speziellen Massage-, Lippen- oder Erkältungsbalsam nicht nur durch seinen Duft, sondern auch durch die Auswahl und Konzentration der Inhaltsstoffe.

Bei trockener und rauer Haut

Besonders im Winter, bei trockener Heizungsluft oder nach häufigem Händewaschen kann die Haut spröde und rau werden. Ein reichhaltiger Balsam hilft, die Haut geschmeidig zu halten und ihren Feuchtigkeitsverlust zu reduzieren.

Zur Lippenpflege

Die Lippen besitzen eine besonders empfindliche Hautoberfläche und trocknen leicht aus. Ein spezieller Lippenbalsam mit ausgewählten Ölen, Wachsen und Pflanzenbuttern kann die Lippen schützen und angenehm geschmeidig halten. Gerade bei Lippenprodukten ist eine sehr zurückhaltende Auswahl ätherischer Öle sinnvoll. Ein unparfümierter Balsam ist häufig die bessere Wahl.

Für Hände und Nagelhaut

Trockene Nagelhaut und raue Fingerkuppen profitieren von einer regelmäßigen Fettpflege. Eine kleine Menge Balsam kann abends in die Nagelfalze und Fingerkuppen einmassiert werden.

Für beanspruchte Füße

An Fersen und Fußsohlen entstehen durch Druck, Reibung und trockene Haut häufig raue Stellen. Reichhaltige Fußbalsame können die Haut geschmeidig halten und die tägliche Fußpflege ergänzen. Bei stärkerer Hornhaut können zusätzlich harnstoffhaltige Pflegeprodukte sinnvoll sein.

Zur Pflege bereits verheilter Hautstellen und Narben

Nach dem vollständigen Verschluss einer Verletzung benötigt die neu gebildete Haut oft besondere Pflege. Ein milder Balsam kann helfen, trockene Hautstellen geschmeidig zu halten.

Für Brust- und Rückenbalsame

In der traditionellen Aromapflege werden spezielle Balsame mit ausgewählten ätherischen Ölen als wohltuende Einreibung während der Erkältungszeit verwendet.  Dabei ist wichtig: Ein Duft kann subjektiv das Gefühl freierer Atmung vermitteln, ohne tatsächlich eine verstopfte Nase zu öffnen oder eine Infektion zu behandeln.

Besonders bei Kindern müssen die Auswahl der ätherischen Öle, die Konzentration und das Alter sorgfältig berücksichtigt werden.

Zum Schutz bei Kälte und Wind

Ein wasserfreier Balsam kann bei kaltem, windigem Wetter besonders hilfreich sein. Seine fetthaltigen Bestandteile legen sich auf die Hautoberfläche und können den Feuchtigkeitsverlust vermindern. Das macht ihn beispielsweise für beanspruchte Wangen, Hände oder andere unbedeckte Hautstellen interessant. Für empfindliche Kinderhaut sind dabei einfache, unparfümierte Rezepturen vorzuziehen.

Warum ein wasserfreier Balsam keine Feuchtigkeit spendet

Vielleicht hast du dich schon einmal gefragt, warum ein reichhaltiger Balsam bei trockener Haut so wohltuend sein kann, obwohl er überhaupt kein Wasser enthält. Die Antwort liegt in der natürlichen Schutzfunktion unserer Haut.

Unsere Haut verliert kontinuierlich kleine Mengen Wasser an die Umgebung. Dieser Vorgang wird als transepidermaler Wasserverlust (TEWL) bezeichnet. Er ist grundsätzlich normal. Ist die Hautbarriere jedoch beeinträchtigt, kann der Wasserverlust zunehmen. Die Haut wird trocken, rau und verliert an Geschmeidigkeit. Hier kommen Balsame ins Spiel. Die fetthaltigen Bestandteile bilden einen mehr oder weniger ausgeprägten Schutzfilm auf der Hautoberfläche. Dieser verlangsamt die Verdunstung von Wasser und hilft damit, die bereits vorhandene Feuchtigkeit besser in der Hornschicht zu bewahren.

Man bezeichnet diese Eigenschaft als okklusiven Effekt. Das bedeutet: Ein klassischer wasserfreier Balsam führt der Haut nicht unmittelbar Wasser zu, sondern hilft ihr vor allem dabei, weniger Wasser zu verlieren. Dadurch kann sich der Feuchtigkeitsgehalt der Hornschicht indirekt verbessern.

Anders verhält es sich mit sogenannten Feuchthaltestoffen wie Glycerin, Hyaluronsäure oder Urea. Diese können Wasser binden und gehören deshalb häufig zu den Inhaltsstoffen wasserhaltiger Pflegeprodukte.

Ein einfacher Tipp aus der Hautpflege: Trage einen Balsam auf die noch leicht feuchte Haut auf, beispielsweise nach dem Duschen oder Händewaschen. So kann die zuvor aufgenommene Feuchtigkeit besser bewahrt werden. Auch die Kombination mit einem geeigneten Hydrolat ist interessant und ich empfehle sie immer wieder. Dazu zuerst die Haut leicht mit Hydrolat befeuchten, anschließend eine kleine Menge Balsam auftragen. Das Hydrolat liefert die wässrige Phase, während der Balsam hilft, die Feuchtigkeit länger zu bewahren.

Do it yourself: Balsam selbst herstellen

Ich zeige dir nun im folgenden 3 bewährte und sehr einfache Grundrezepte, welche du auch in meinen Büchern finden kannst. Wichtig ist immer mit welcher Basis du den Balsam herstellen möchtest (Sheabutter oder Kokosöl, ect.), denn mit dieser beginnst du. Die Zugabe von Pflanzenöl kannst du dann auch so wählen, ob du ein pflegendes Basisöl möchtest oder ob es ein Wirkstofföl sein soll, bzw. kann es auch beides enthalten. Ätherische Öle kannst du dann optional zugeben, immer aber auch daran angepasst was erreicht werden soll (Dosierung, für wen, usw.). 

Balsam mit Kokosöl

Dies ist die absolut einfachste Variante eines Balsams, denn Kokosfett (sofern es noch die unbearbeitete Bio-Variante ist) ist fest wenn es kalt ist. Darum kann es gut als Balsam genutzt werden, z.B. zur Lippenpflege, zur einfachen Hautpflege, zur Insektenabwehr (Kokosöl bei Zecken!), etc.

Das brauchst du:

  • 20 g Kokosfett
  • 1-2 Tropfen ätherische Öle (je nach Anwendungsgebiet evtl. auch mehr)

Hierzu einfach das Kokosfett auf der Heizung oder sanft im Wasserbad schmelzen, etwas abkühlen lassen und die ätherischen Öle zugeben. 

Balsam mit Sheabutter

Diese Variante ist sehr hautpflegend, bei der Herstellung ist nur zu beachten, dass sie nicht über 37 Grad erhitzt wird, damit sie nicht krümelt. Der Grund liegt in ihrem besonderen Kristallisationsverhalten. Beim langsamen oder ungleichmäßigen Abkühlen können sich größere Fettkristalle bilden, die später als kleine Körnchen spürbar sind. Das beeinträchtigt normalerweise nicht die Qualität oder Pflegewirkung des Balsams, kann aber beim Auftragen unangenehm sein.

Du brauchst:

  • 30 – 35 g Sheabutter
  • 15 – 20 ml Pflanzenöl nach Wahl
  • 5 – 10 Tropfen ätherisches Öl (je nach Anwendungsgebiet weniger oder auch mehr)

Sheabutter auf der Heizung oder sanft im Wasserbad schmelzen. Inzwischen im Pflanzenöl die ätherischen Öle vermischen. Die geschmolzene Sheabutter herausnehmen und Öle dazugeben. Gut verrühren (am besten funktioniert es mit einem Milchaufschäumer) und dann abkühlen lassen.

Balsam mit Kakaobutter

Kakaobutter wird meist eher für festere Produkte wie einem Lotion-Bar verwendet, aber auch für die Zubereitung eines Balsams eignet sie sich. Hier gilt je nach Festigkeit wird die Zusammensetzung angepasst. Ein besonderer Vorteil: Mit unraffinierter Kakaobutter erhält der Balsam ganz von selbst einen warmen Schokoladenduft. Du brauchst deshalb nicht unbedingt ätherische Öle – eine schöne Möglichkeit für eine einfache, duftende Körperpflege mit nur zwei Zutaten.

Du brauchst für einen weichen, gut entnehmbaren Balsam:

  • 15 g Kakaobutter
  • 35 ml Pflanzenöl nach Wahl
  • 5 – 10 Tropfen ätherisches Öl (je nach Anwendungsgebiet weniger oder auch mehr)

Kakaobutter im Wasserbad schmelzen. Inzwischen Öle miteinander mischen und dann in die etwas abgekühlte Kakaobutter mischen. Gut vermischen! Danach abkühlen lassen.

Du willst mehr Rezepte?

Viele Balsamrezepte, vor allem einfache Rezepturen, findest du in meinen Büchern. Hierin sind wirklich viele Mischungen und Anwendungsmöglichkeiten zu den wirklich verschiedensten Themen enthalten.

Damit du aber schon einen Vorgeschmack bekommst wie das aussieht habe ich dieses E-Book für dich erstellt. Hierin findest du die 3 erwähnten Grundrezepte und 10 Rezepturen für Balsame. Dieses kannst du dir kostenfrei herunterladen – hier >>klick<<.

Natürliche Hautpflege muss nicht kompliziert sein. Balsame zeigen besonders schön, wie vielseitig natürliche Hautpflege mit wenigen Zutaten sein kann. Ob Kokosfett, Sheabutter oder Kakaobutter – jede Grundlage bringt ihre eigenen Eigenschaften mit und lässt sich durch die Zugabe ausgewählter Pflanzenöle und ätherischer Öle individuell anpassen. Dabei muss ein guter Balsam weder zahlreiche Inhaltsstoffe enthalten noch aufwendig hergestellt werden. Viel wichtiger ist es, die Eigenschaften der einzelnen Rohstoffe zu kennen und sie sinnvoll miteinander zu kombinieren. Schon aus zwei oder drei Zutaten kann ein wunderbares Pflegeprodukt entstehen, das die Haut geschmeidig hält und vor übermäßigem Feuchtigkeitsverlust schützt.
Rosina
Rosina J.
Autorin, Dipl. Aromapraktikerin

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