Amyris

Amyris - das ätherische Öl für Ruhe, Geborgenheit und Balance

Es gibt diese stillen unbekannten Düfte. Amyris gehört dazu. Sein warmer, balsamischer, weicher und leicht süßlicher Holzduft vermittelt vielen Menschen ein Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. In der Aromapraxis wird Amyris gerne eingesetzt, wenn Entspannung, innere Ausgeglichenheit und ein bewusster Rückzug vom hektischen Alltag im Vordergrund stehen. Doch das ätherische Öl hat noch andere interessante Eigenschaften. Besonders seine chemische Zusammensetzung und erste Untersuchungen zu seiner antimikrobiellen Aktivität machen Amyris zu einem spannenden Vertreter der holzigen Duftöle.

Amyris – ein Holz mit besonderem Charakter

Amyris trägt den botanischen Namen Amyris balsamifera L. und gehört zur Familie der Rautengewächse (Rutaceae). Ursprünglich ist der kleine Baum beziehungsweise Strauch in der Karibik und angrenzenden Regionen beheimatet. Besonders Haiti ist als Herkunftsland des ätherischen Öls bekannt.

Eine interessante Besonderheit ist sein harzreiches Holz, das vergleichsweise gut brennt. Daher ist Amyris auch unter dem Namen „Torchwood“ beziehungsweise „Bois chandelle“ bekannt, was sinngemäß Fackelholz bedeutet, denn früher wurde es auch für Fackeln verwendet.

Das ätherische Öl wird durch Wasserdampfdestillation des Holzes gewonnen. Es besitzt meist eine hellgelbe bis goldgelbe Farbe, ist etwas dickflüssiger und entwickelt einen warmen, balsamischen Holzduft mit leicht süßlichen, manchmal rauchigen Nuancen.

Amyris ist kein echtes Sandelholz

Im Handel begegnet man Amyris häufig unter der Bezeichnung „Westindisches Sandelholz“. Diese Bezeichnung kann allerdings in die Irre führen. Echtes Sandelholz, beispielsweise Santalum album, gehört zur Familie der Sandelholzgewächse (Santalaceae). Amyris hingegen ist ein Rautengewächs so wie viele Zitrusfrüchte beispielsweise. Auch seine chemische Zusammensetzung unterscheidet sich deutlich von jener des echten Sandelholzöls.

Während echtes Sandelholzöl vor allem durch die Inhaltsstoffe α-Santalol und β-Santalol geprägt wird, dominieren bei Amyris andere Sesquiterpenverbindungen. Amyris ist daher kein botanisch gleichwertiger Ersatz für Sandelholz. In der Parfümerie kann es aufgrund seines warmen Holzduftes jedoch eine interessante und häufig preisgünstigere Alternative sein. Eine analytische Untersuchung kommerzieller Sandelholzöle zeigte sogar, dass manche als Sandelholz angebotene Produkte tatsächlich Amyris enthielten.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Amyris

Was Amyris besonders interessant macht, ist sein hoher Anteil an Sesquiterpenen, insbesondere an sauerstoffhaltigen Sesquiterpenen wie den Sesquiterpenalkoholen. Zu seinen charakteristischen Inhaltsstoffen gehören:

  • Valerianol: ein wichtiger Sesquiterpenalkohol 
  • Eudesmole: eine Gruppe strukturell verandter Sesquiterpenalkohole, darunter α-, β- und γ-Eudesmole
  • Elemol: ein weiterer Sesquiterpenalkohol
  • Guaiol: ebenfalls ein Sesquiterpenalkohol, der in manchen Amyrisölen in größeren Mengen vorkommt
  • Sesquiterpenkohlenwasserstoffe: beispielsweise β-Sesquiphellandren

Eine chemische Analyse aus dem Jahr 1989 ergab für die untersuchte Probe einen Anteil von 82,5 % sauerstoffhaltigen Sesquiterpenen. Andere Untersuchungen zeigen allerdings, dass die Anteile einzelner Inhaltsstoffe zwischen verschiedenen Amyrisölen deutlich variieren können.

Diese schwerer flüchtigen Verbindungen tragen dazu bei, dass der Duft von Amyris vergleichsweise lange wahrnehmbar bleibt. In Duftmischungen übernimmt es deshalb häufig die Rolle einer Basisnote und kann die Duftkomposition abrunden.

Körperliche Wirkung und Anwendungsgebiete von Amyris

Neben seinen aromatischen Eigenschaften ist Amyris auch aus wissenschaftlicher Sicht interessant. Verschiedene Untersuchungen beschäftigen sich mit der antimikrobiellen Aktivität, der Wirkung auf Insekten und möglichen biologischen Effekten seiner Inhaltsstoffe.

Antimikrobielle Eigenschaften

Eine 2021 veröffentlichte Laborstudie untersuchte 49 ätherische Öle auf ihre antimikrobielle Aktivität gegenüber neun Krankheitserregern, die mit Atemwegsinfektionen in Verbindung stehen. Amyris gehörte gemeinsam mit Korianderöl und einem Sandelholzöl zu den besonders auffälligen Ölen. Bei bestimmten untersuchten Erregern wurden minimale Hemmkonzentrationen zwischen 0,03 und 0,13 mg/ml festgestellt. Das bedeutet, dass Amyrisöl unter Laborbedingungen bereits in vergleichsweise niedrigen Konzentrationen das Wachstum bestimmter Mikroorganismen hemmen konnte. Quelle

Für die Aromapraxis sind diese Ergebnisse interessant, sie müssen jedoch richtig eingeordnet werden. Eine antimikrobielle Wirkung im Labor bedeutet nicht automatisch, dass Amyrisöl bei einer Erkältung, Bronchitis oder anderen Infektionen beim Menschen therapeutisch wirksam ist. Dazu wären klinische Studien erforderlich, die unter anderem die tatsächlich erreichten Konzentrationen, die Verträglichkeit und den Behandlungserfolg untersuchen.

Amyris in der Hautpflege

Amyris wird gelegentlich als Bestandteil von Körperölen, Massagezubereitungen und kosmetischen Pflegeprodukten verwendet. Besonders sein warmer Duft macht es zu einer interessanten Ergänzung für pflegende Rezepturen. Eine weitere Untersuchung aus dem Jahr 2020 beschäftigte sich mit der chemischen Zusammensetzung und antimikrobiellen Wirkung verschiedener ätherischer Öle, darunter auch Amyris, gegenüber bestimmten Staphylococcus-Bakterien. Quelle

Amyris bei körperlicher Anspannung

Amyris wird in der Aromapraxis auch gerne für entspannende Massagen verwendet. Gerade bei einem stressreichen Alltag, wenn sich Anspannung beispielsweise im Schulter- und Nackenbereich bemerkbar macht, kann eine sanfte Massage mit einer angenehm duftenden Ölmischung wohltuend sein. Wärme, Berührung und langsame Massagebewegungen können zu einer subjektiven Entspannung beitragen. Ob Amyris selbst eine klinisch relevante muskelentspannende oder schmerzlindernde Wirkung besitzt, ist bislang nicht ausreichend untersucht.

Amyris und die Wirkung auf das Nervensystem

Eine 2025 veröffentlichte Tierstudie untersuchte die Wirkung von Amyrisöl bei Fischen der Art Colossoma macropomum. Die Tiere wurden unterschiedlichen Konzentrationen des ätherischen Öls im Wasser ausgesetzt. Dabei beobachteten die Forschenden konzentrationsabhängige Veränderungen des Verhaltens, der Körperhaltung und der Herzaktivität. Unter bestimmten Bedingungen zeigte Amyrisöl eine reversible anästhetische Wirkung. Besonders interessant war, dass sich die Erholungszeiten und die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System je nach Konzentration unterschieden. Quelle

Diese Untersuchung zeigt, dass Amyrisöl unter speziellen Versuchsbedingungen biologische Wirkungen auf das Nervensystem entfalten kann. Die Ergebnisse dürfen allerdings nicht auf die Anwendung beim Menschen übertragen werden.

Amyris als möglicher Zeckenschutz

Ein weniger bekanntes Forschungsgebiet ist die insekten– und zeckenabwehrende Wirkung von Amyris. In einer 2010 veröffentlichten Untersuchung wurden Amyrisöl und der Duftstoff Elemol gegenüber zwei Zeckenarten getestet: Ixodes scapularis und Amblyomma americanum. Beide Substanzen zeigten in den Laborversuchen eine abschreckende Wirkung auf die untersuchten Zecken. Bei einer bestimmten Konzentration von Amyrisöl auf Filterpapier wurden nach zwei Stunden 80 % und nach vier Stunden noch 55 % der getesteten Amblyomma-americanum-Nymphen abgewehrt. Quelle

Auch gegenüber bestimmten Mückenarten wurde Amyrisöl untersucht. Eine Studie von 2006 zeigte unter anderem eine larvenabtötende Aktivität im Labor. Quelle

Diese Ergebnisse machen Amyris zu einem interessanten Kandidaten für die Entwicklung pflanzlicher Repellentien. Für selbst gemischte Zeckenschutzöle lässt sich daraus allerdings keine verlässliche Schutzdauer ableiten. Gerade bei Zecken sollte man auf entsprechend geprüfte Schutzprodukte zurückgreifen.

Weitere körperliche Wirkungen und Anwendungsgebiete

Nicht immer alle Wirkungen und Anwendungsgebiete sind durch Studien belegt, viele sind auch aus der Naturheilkunde und Erfahrungsheilkunde heraus entstanden. Dies sind z.B.:

Seelische Wirkung und Anwendungsgebiete von Amyris

Bei innerer Unruhe und Anspannung

Amyris wird in der Aromapraxis traditionell als beruhigender und ausgleichender Duft eingesetzt. Besonders Menschen, die warme und holzige Düfte mögen, können ihn als angenehm und entspannend empfinden. Dabei spielt die individuelle Duftwahrnehmung eine wichtige Rolle.  Amyris eignet sich beispielsweise als Begleiter für ruhige Atemübungen, Meditation oder bewusst eingelegte Erholungspausen.

Wenn das Gedankenkarussell nicht zur Ruhe kommt

Wer kennt das nicht? Der Tag ist eigentlich vorbei, doch im Kopf werden weiterhin Gespräche geführt, Aufgaben geplant und Ereignisse verarbeitet. Gerade in solchen Momenten kann ein kleines Duftritual helfen, den Übergang vom aktiven Alltag in eine ruhigere Phase bewusst zu gestalten. Der Duft von Amyris wird häufig als warm, erdig und umhüllend beschrieben. Diese Eigenschaften machen ihn zu einem beliebten Bestandteil von Entspannungsmischungen.

Amyris als Begleiter am Abend

Auch vor dem Schlafengehen wird Amyris gerne verwendet. Sein weicher Holzduft eignet sich gut für abendliche Rituale, beispielsweise beim Lesen, bei sanfter Musik oder während einer kurzen Entspannungsübung. Anders als bei einigen besser untersuchten ätherischen Ölen fehlen für Amyris jedoch überzeugende Humanstudien, die eine Verbesserung der Schlafqualität oder Schlafdauer belegen. 

Für Meditation und Achtsamkeit

Durch seinen warmen und wenig aufdringlichen Duft lässt sich Amyris gut in Achtsamkeitsrituale integrieren. Ein Duft kann dabei zu einem sogenannten Duftanker werden. Wird ein bestimmter Duft regelmäßig mit einer ruhigen, angenehmen Situation verbunden, kann er später an diese Erfahrung erinnern.

Weitere seelische Wirkungen und Anwendungsgebiete

Bezugsquellen, wo gibt es Amyrisöl?

Um hier Verwechslungen vorzubeugen ist auf den botanischen Namen zu achten, denn wie schon oben erwähnt wird es oft auch als westindisches Sandelholzöl bezeichnet. Achte also auf Amyris balsamifera als botanischen Namen. Hier bekommst du Amyrisöl:

Anwendungsmöglichkeiten

Im Diffusor

Amyris gehört zu den dickflüssigen ätherischen Ölen, sei hier besonders achtsam, wenn du es in Diffusor oder Duftlampe verwendest. Tropfe in vorhandenes Wasser 2 Tropfen Amyris, 3 Tropfen Mandarine und 1 Tropfen Vanille. Dies ergibt eine eine warme und sanfte Duftkomposition. Die Mischung eignet sich für eine kurze, bewusste Entspannungspause. 

Inhalierstift

3 Tropfen Amyris und 2 Tropfen Orange süß auf den Wattestift eines Inhalierstiftes geben. Der Duft kann bei Bedarf bewusst und mit etwas Abstand wahrgenommen werden.

Massageöl

Für eine sanfte Massage können 2 Tropfen Amyris mit 15 ml Mandel– oder Jojobaöl vermischt werden. Die niedrig dosierte Zubereitung eignet sich beispielsweise für eine entspannende Schulter- oder Rückenmassage bei Erwachsenen.

Sicherheitshinweise und Gegenanzeigen

Auch wenn Amyris in der Aromapraxis meist als vergleichsweise mildes Öl verwendet wird, ist ein verantwortungsvoller Umgang wichtig.

  • Ausreichend verdünnen bei der Anwendung auf der Haut. Mehr zu Dosierung findest du hier >>klick<<.
  • innerlich nicht einnehmen.

Weiterlesen?

Amyris ist ein ätherisches Öl, das vor allem durch seinen warmen, holzigen und lang anhaltenden Duft überzeugt. Es eignet sich hervorragend für individuelle Duftkompositionen, entspannende Rituale und sanfte aromatische Körperpflege. Vielleicht ist es gerade diese unaufdringliche Art, die Amyris so besonders macht. Ein Duft, der nicht im Vordergrund stehen muss, sondern Raum schafft, um für einen Moment einfach zur Ruhe zu kommen.
Rosina
Rosina J.
Autorin, Dipl. Aromapraktikerin

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