kleine Braunelle

Kleine Braunelle: Die kleine Wildpflanze für Kräuterwissen, Hautpflege und ein selbstgemachtes Mazerat

Die Braunelle, genauer gesagt die Kleine Braunelle (Prunella vulgaris), gehört zu jenen Wildpflanzen, die leicht übersehen werden. Sie wächst niedrig, oft mitten im Rasen, an Wegrändern, auf Wiesen oder in lichten Gartenbereichen und doch steckt in ihr eine lange Tradition als Kräuterpflanze. Ihr volkstümlicher englischer Name „Selfheal“ oder „Heal-all“ zeigt bereits, dass sie in vielen Kulturen als besondere Pflanze wahrgenommen wurde. Botanisch gehört sie zur Familie der Lippenblütler, also in die Verwandtschaft von Minze, Salbei, Thymian, Gundermann und Lavendel.

Wo wächst die kleine Braunelle?

Die Kleine Braunelle ist in Europa weit verbreitet und kommt auch in Österreich und Deutschland häufig vor. Sie liebt Wiesen, Weiden, Parkrasen, Gartenrasen, Wegränder und lichte Waldwegränder. Besonders gerne wächst sie auf frischen bis feuchten, eher humusreichen Böden. Sie kommt mit Sonne und Halbschatten zurecht und ist dadurch auch für naturnahe Gärten sehr interessant.

Ökologisch ist die Braunelle ebenfalls wertvoll. Sie wurde zur Blume des Jahres 2023 gewählt, weil sie ein Symbol für blütenreiche Wiesen und artenreiche Rasenflächen ist. Ihre blauvioletten Lippenblüten liefern über einen langen Zeitraum Nektar und Pollen und werden unter anderem von Hummeln, Wildbienen und Schmetterlingen besucht.

Wann wächst und blüht die kleine Braunelle?

Die Braunelle ist eine mehrjährige, krautige Pflanze. Sie bildet kriechende Ausläufer und kann sich dadurch in ihrer Umgebung ausbreiten. Ihre Blütezeit liegt in Mitteleuropa hauptsächlich zwischen Juni und September, je nach Standort auch bis in den Oktober hinein.

kleine Braunelle

Wie erkennst du die kleine Braunelle?

Die Kleine Braunelle bleibt meist niedrig und erreicht häufig etwa 5 bis 25 Zentimeter Wuchshöhe. Typisch sind ihre kleinen, blauvioletten bis purpurfarbenen Lippenblüten, die dicht gedrängt in einem endständigen, ährenartigen Blütenstand sitzen. Der Stängel ist wie bei vielen Lippenblütlern vierkantig. Die Blätter stehen gegenständig, sind länglich bis eiförmig und meist nur schwach gezähnt oder leicht gewellt.

Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist der kompakte Blütenkopf, der fast wie ein kleiner violetter Zapfen wirkt. Direkt unter dem Blütenstand sitzt meist ein Blattpaar. Die Pflanze wächst oft teppichartig oder in kleinen Gruppen, weil sie sich über kriechende Triebe ausbreiten kann.

Wie bei allen Wildpflanzen gilt: Sammle die Braunelle nur, wenn du sie sicher bestimmen kannst. Bei Unsicherheit lieber stehen lassen oder eine erfahrene Kräuterperson fragen.

Welche Inhaltsstoffe enthält die Braunelle?

Die Braunelle ist keine klassische ätherische-Öl-Pflanze wie Lavendel, Thymian oder Rosmarin. Sie enthält zwar verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, aber kein bedeutendes ätherisches Öl im aromatherapeutischen Sinn. Interessant sind vor allem Phenolsäuren, darunter Rosmarinsäure, außerdem Flavonoide, Gerbstoffe, Triterpene wie Ursolsäure und Oleanolsäure, sowie weitere pflanzliche Begleitstoffe. Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten zu Prunella vulgaris beschreiben unter anderem phenolische Säuren, Flavonoide, Triterpene, Saponine und Polysaccharide als wichtige Stoffgruppen.

Rosmarinsäure ist auch aus anderen Lippenblütlern bekannt, etwa Rosmarin, Melisse, Salbei oder Thymian. Sie wird in Studien vor allem wegen ihrer antioxidativen und entzündungsmodulierenden Eigenschaften untersucht. Wichtig ist aber: Viele Untersuchungen zur Braunelle stammen aus Labor- oder Tiermodellen. Daraus lassen sich nicht automatisch konkrete Heilversprechen für den Menschen ableiten. Für die Anwendung zu Hause bleibt die Braunelle daher eine traditionelle Kräuterpflanze, die achtsam und maßvoll genutzt werden sollte.

Die Wirkung der Braunelle auf körperlicher Ebene

Die Braunelle wird in der traditionellen Kräuterkunde vor allem mit Schleimhäuten, Haut und kleinen äußerlichen Beschwerden in Verbindung gebracht. Besonders interessant sind ihre Gerbstoffe, Flavonoide, Phenolsäuren wie Rosmarinsäure sowie Triterpene wie Ursolsäure und Oleanolsäure. Diese Pflanzenstoffe werden wissenschaftlich unter anderem wegen ihrer antioxidativen, adstringierenden und entzündungsmodulierenden Eigenschaften untersucht. Traditionell wurde die Braunelle deshalb gerne für Mund- und Rachenspülungen, bei beanspruchter Haut, kleinen Hautirritationen oder als Kräuterauflage verwendet.  Als sanfte Wildpflanze passt sie sehr gut in die achtsame Kräuterpflege, etwa als Tee, Gurgellösung, Tinktur oder als Grundlage für ein Braunellen-Mazerat. Bereits im Mittelalter schon wurde sie auch beiBluthochdruck, Erkältungsbeschwerden, Fieber und Verdauungsproblemen eingesetzt. Auch die chinesische Medizin kennt diese Heilpflanze.

Wirkung der kleinen Braunelle körperlich:

antiviral (Herpes-Viren), antimikrobiell, antidiabetisch, antioxidativ, blutdrucksenkend, entzündungshemmend, fiebersenkend, leberschützend

Die Wirkung der Braunelle auf seelischer Ebene

Auf seelischer Ebene steht die Braunelle für stille Regeneration, innere Ordnung und die Fähigkeit, wieder in die eigene Mitte zu finden. Sie ist keine auffällige, laute Pflanze, sondern wächst niedrig, bodennah und oft genau dort, wo man sie kaum erwartet: im Rasen, am Wegesrand oder zwischen anderen Wiesenpflanzen. Genau diese Pflanzensignatur macht sie so besonders. Die Braunelle kann symbolisch daran erinnern, dass Erholung nicht immer groß und spektakulär sein muss. Manchmal beginnt sie leise – mit einem Moment der Ruhe, einer bewussten Berührung, einem kleinen Ritual oder der Entscheidung, sich selbst wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Ein Braunellen-Mazerat oder eine Braunellen-Tinktur kann deshalb auch als Begleiter für Selbstfürsorge-Rituale verwendet werden.

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Was kann man mit der kleinen Braunelle machen?

Traditionell wurde die Braunelle innerlich und äußerlich verwendet. In der Volksheilkunde kennt man sie als Tee, Spülung, Umschlag oder Kräuterbestandteil. Die jungen Blätter und Triebe gelten auch als essbar und können in kleinen Mengen in Wildkräutersalaten, Kräuterquark, Kräuterbutter oder Pesto verwendet werden. Auch Blüten lassen sich dekorativ über Speisen streuen. Ebenso eine Tinktur oder auch ein Mazerat sind sehr wirksam. Wie du dir beides herstellen kannst findest du im Folgenden:

Braunellen-Mazerat herstellen

Für ein Mazerat erntest du am besten das blühende Kraut, also die oberen Pflanzenteile mit Blättern und Blüten. Ideal ist ein trockener Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist, die Pflanze aber noch frisch wirkt. Sammle nur an sauberen Standorten, nicht direkt an Straßen, Hundewegen, gespritzten Wiesen oder stark gedüngten Flächen.

Für ein Braunellen-Mazerat verwendest du das blühende Kraut. Du kannst frische Braunelle vorher einige Stunden anwelken lassen, damit überschüssige Feuchtigkeit verdunstet. Das ist wichtig, weil zu viel Wasser im Öl die Haltbarkeit verschlechtern kann. Alternativ kannst du getrocknete Braunelle verwenden.

Gib die zerkleinerte Braunelle locker in ein sauberes, trockenes Schraubglas. Übergieße sie vollständig mit einem stabilen Pflanzenöl, zum Beispiel Bio-Olivenöl, Sonnenblumenöl high oleic, Mandelöl oder Jojobaöl. Alle Pflanzenteile müssen mit Öl bedeckt sein. Verschließe das Glas und lasse es etwa drei bis vier Wochen an einem hellen, warmen Platz ohne direkte starke Sonneneinstrahlung ziehen. Bewege das Glas regelmäßig sanft. Danach wird das Öl durch ein feines Tuch oder einen Kaffeefilter abgeseiht und in eine dunkle Glasflasche gefüllt.

Beschrifte dein Mazerat mit Pflanze, Öl, Herstellungsdatum und Abfülldatum. Lagere es kühl, dunkel und sauber. Wenn es ranzig riecht, trüb wird oder sich verändert, solltest du es nicht mehr verwenden.

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Wofür kann das Braunellen-Mazerat verwendet werden?

Ein Braunellen-Mazerat eignet sich als sanftes Kräuteröl für die Hautpflege. Du kannst es pur verwenden oder als Grundlage für einen Balsam, eine Salbe oder ein Massageöl einsetzen. Besonders schön ist es für beanspruchte Hautstellen, für eine einfache Abendpflege, für Hände und Füße oder als Bestandteil eines Kräuterbalsams.

Für einen einfachen Pflegebalsam kannst du zum Beispiel 30 ml Braunellen-Mazerat mit etwa 3 g Bienenwachs oder einer pflanzlichen Wachs-Alternative sanft im Wasserbad schmelzen. Danach in ein sauberes Salbendöschen füllen und auskühlen lassen. Wer möchte, kann bei Erwachsenen noch sehr niedrig dosiert ätherische Öle ergänzen, etwa Lavendel fein oder Kamille römisch. Dabei gilt: Weniger ist oft mehr. 

Braunellen-Tinktur herstellen

Neben einem Mazerat kannst du aus der Braunelle auch eine einfache Tinktur herstellen. Eine Tinktur ist ein alkoholischer Pflanzenauszug. Dabei werden die Inhaltsstoffe der Pflanze über mehrere Wochen in Alkohol gelöst. Für eine Braunellen-Tinktur verwendest du am besten das blühende Kraut, also Blüten und Blätter.

So gehst du vor: Schneide die gesammelte Braunelle klein und gib sie locker in ein sauberes Schraubglas. Wenn du frisches Kraut verwendest, lasse es vorher einige Stunden anwelken, damit überschüssige Feuchtigkeit verdunstet. Übergieße die Pflanze anschließend vollständig mit Alkohol, zum Beispiel mit 40-prozentigem Korn oder Wodka. Alle Pflanzenteile sollten gut bedeckt sein. Verschließe das Glas, beschrifte es mit Pflanze und Datum und stelle es für etwa drei bis vier Wochen an einen warmen, hellen Ort ohne direkte starke Sonne. Schüttle das Glas regelmäßig sanft. Danach wird die Tinktur durch ein feines Tuch oder einen Kaffeefilter abgeseiht und in eine dunkle Tropfflasche gefüllt.

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Die Braunellen-Tinktur kann äußerlich verdünnt verwendet werden, zum Beispiel für kleine Hautstellen, als Zusatz zu Umschlägen oder für eine Mund- und Rachenspülung. Dafür gibt man wenige Tropfen in ein Glas Wasser und verwendet die Mischung zum Spülen oder Gurgeln. Nicht unverdünnt auf empfindliche Schleimhäute geben. Innerlich sollte eine Tinktur nur angewendet werden, wenn man sich gut auskennt oder fachkundig begleitet wird. Für Kinder, Schwangere, Stillende, Menschen mit Lebererkrankungen, Alkoholunverträglichkeit oder bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist eine alkoholische Tinktur nicht geeignet beziehungsweise nur nach fachlicher Rücksprache sinnvoll.

Die Braunelle zeigt sehr schön, dass wertvolle Pflanzen nicht immer groß, auffällig oder exotisch sein müssen. Oft wachsen sie direkt vor unserer Haustür – im Rasen, auf der Wiese oder am Wegesrand. Mit ihren blauvioletten Blüten, ihren interessanten Inhaltsstoffen und ihrer langen Tradition in der Kräuterkunde ist sie eine wunderbare Pflanze, um sich wieder mehr mit heimischen Wildkräutern zu verbinden. Besonders spannend ist die Braunelle für die Herstellung eines eigenen Mazerats. Dabei wird aus einer kleinen Wildpflanze und einem hochwertigen Pflanzenöl ein achtsames Pflegeöl, das später pur verwendet oder zu Balsam, Salbe oder Ritualöl weiterverarbeitet werden kann. So verbindet die Braunelle Wildpflanzenwissen mit der Welt der Pflanzenöle – genau dort, wo einfache Naturpflege beginnt. Auch auf seelischer Ebene erinnert uns die Braunelle daran, dass Regeneration oft leise geschieht. Sie steht für Ruhe, Sammlung, Widerstandskraft und die Fähigkeit, sich selbst wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn du tiefer in die Welt der Pflanzenöle, Mazerate und Ölauszüge eintauchen möchtest, findest du in meinem Buch über Pflanzenöle viele Grundlagen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und praktische Ideen für deine eigene Aromapraxis.
Rosina
Rosina J.
Autorin, Dipl. Aromapraktikerin

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